Nicht Krankenversichert ! Und jetzt? (Sonstige Themen)

Nicole @, (vor 6419 Tagen)

Seit 01.10.07 bin ich mit meinem Freund zusammen gezogen,mit dem ich einen Sohn habe. Davor bezog ich Hartz IV und war über die Arge bei der AOK versichert. Da mein Freund gut verdient, muss er jetzt für mich aufkommen. Unser Sohn ist über ihn versichert. Leider wurde ich aber nicht aufgeklärt und erfuhr, das ich mich bei meiner alten Versicherung ( AOK ) hätte weiterversichern müssen. Die verlangt aber zu hohe Beiträge,die ich mir nicht leisten kann und andere Krankenkassen nehmen mich nicht auf. Die Krankenkasse meines Freundes würde mich aufnehmen, wenn wir verheiratet wären.Irgendwo muss ich mich doch Versichern können.

Re: Nicht Krankenversichert ! Und jetzt?

freiwillig, (vor 6418 Tagen) @ Nicole

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__5.html

Nach der Gesetzeslage §5 Abs.1 Satz 13a (s.o.) bist Du bei Deiner letzten GKV pflichtversichert. Dies weil du zuletzt GKV versichert warst und aktuell keinen anderen Krankenversicherungsschutz vorweisen kannst.
Diese Versicherung tritt von Gesetzes wegen in Kraft, selbst wenn weder der Kasse noch Dir etwas davon bekannt ist.
Auch schuldest Du bereits die Mitgliedsbeiträge.

Deine Annahme, dass Du nicht versichert bist, trifft also nicht zu.

Re: Nicht Krankenversichert ! Und jetzt?

Antje Hunter @, (vor 6414 Tagen) @ freiwillig

das Thema betrifft mich auch, die Antwort ist aber unzureichend bzw. weiß ich immer noch nicht, wie es weiter gehen soll. Ich lebe in Lebensgemeinschaft, bekomme daher kein ALG. Bin noch bei der KK gemeldet, da ich bis Juni 07 eine versicherungspfl. Arbeit hatte, seitdem arbeitssuchend. Habe aber keine Beiträge mehr bezahlt, da freiwillige Versicherung zu teuer ist - das können wir nicht leisten. Die Ungerechtigkeit bzw. Gesetzeslücke ist ja wohl, dass man als Unverheiratete zwar die Pflicht hat, den Partner finanziell zu unterstützen - also kein Anrecht auf Hartz IV hat - wogegen ja nichts spricht - aber die Ungleichbehandlung ist dann doch, dass wir nicht das Recht haben, uns über den Partner krankenversichern zu lassen bzw. dass das wenigstens über die Agentur für Arbeit geschieht. Also was ist zu tun?

Re: Nicht Krankenversichert ! Und jetzt?

Franki06, (vor 6413 Tagen) @ Antje Hunter

Einfach zahlen. Da muss halt anderes zurückstehen.

Re: Nicht Krankenversichert ! Und jetzt?

Sky, (vor 6386 Tagen) @ Franki06

Also mit so ner dummen Aussage wie Deiner .... könnt mich echt aufregen!!!!Wünsch Dir echt mal dass Du genau in so eine Situation kommst!Selbst wahrscheinlich der totale Assi sein und Harzt IV Empfänger sein aber dumm daher schwätzen...Halt einfach Deine Klappe.....

Re: Nicht Krankenversichert ! Und jetzt?

Cleopatra @, (vor 6357 Tagen) @ Sky

Liebe Nicole,
mir geht es genauso wie dir. Und mit Leuten wie Frankie kann ich absolut nichts anfangen....da wäre ein Päckchen Mehl warscheinlich was intelligenteres eingefallen. Wie sag ich immer so schön? In einer Kneipe brauchst du mindestens drei Frankies, damit wenigstens ein Rechter dabei ist!
Musst du mal beobachten ;)

Ich selbst bin schon seit Sept. 02 nicht mehr krankenversichert. Erst die Scheidung-dann der Unterhaltsverzug von neun Monaten für mich und die Tochter-konnte da dann nicht mehr zahlen- und das Arbeitsamt streichte mir alle Leistungen wegen meinem neuem Partner.... (Welchen ich gesetzlich gesehen gar nicht auf die Zahlungen verklagen konnte die er nicht erbrachte) "Wir dürfen nicht besser gestellt weden als eine Familie" hieß es. Das eine weiter-Versicherung über ihn nicht möglich ist, ist ABER schlechter gestellt. Auch das er seine Steuern als Singel bezahlte. Und ebenfalls das mir die Lohnsteuerklasse geändert wurde, da nicht mehr als alleinerziehend galt während er, mehr in die Rente zahlen musste da er über 25 war und keine Kinder hatte. Ist das logisch?

Ich habe auch heute weder das Geld mich zu versichern, noch finde ich einen Job.... Nach dem neuem Gesetzt muss ich mich aber versichern. Weißt du was ich muss? Ich muss irgendwann sterben.
Ich habe jetzt die letzten Jahre meine offenen Beiträge von damals in Raten nachbezahlt. Soviel zu der Verpflichtung. Er solle...

Ich wünsch dir viel Gesundheit. Die wirst du nämlich brauchen können. Den KEINER wird deine Beiträge zahlen, solange du mit deinem Freund zusammenbleibst. Ich hab zwar mal irgendwo gelesen das der Staat Hilfe gewähren soll um ein miteinander in der Familie zu unterstützen, aber SO macht er Familien kaputt. Ich hoffe das ihr euch zusammenrauft und nicht "den Geld" macht Freundschaften kaputt, daran zu Grund geht.

Re: Nicht Krankenversichert ! Und jetzt?

A. MEYER @, (vor 6090 Tagen) @ Nicole

Stehe als Endsechziger kurz davor meine PKV ( seit 20 Jahren ) zu kündigen, kann diese als Rentner nicht mehr bezahlen!
Was passiert rechtlich, wenn ich mir sage, ich bin meine eigene PKV ????

Re: Nicht Krankenversichert ! Und jetzt?

Czauderna, (vor 6090 Tagen) @ A. MEYER

Hallo,
ich weiss nicht wie die PKV das händeln wird, denke aber, nicht anders als wir in der GKV auch.
Eine Kündigung des Vertrages ohne Nachweis einer Anschlussversicherung ist nicht mehr möglich weil das Gesetz seit dem 01.04.2007 (für zuletzt GKV-Versicherte) und ab dem 01.01.2009
(für zuletzt PKV-Versicherte) eine Krankenversicherung vorschreibt.
Wenn keine Beiträge mehr gezahlt werden dann erfolgt eine Leistungsverweigerung bis auf Notfälle die dann weiter von der Krankenkasse übernommen werden. Die Beiträge laufen natürlich weiter auf und werden (in der GKV) mit 5% Säumniszuschlag pro Monat belegt. Der volle Leistungsanspruch besteht erst dann wieder wenn alle Rückstände komplett ausgeglichen wurden.
Fazit: Man sollte seine Lebenshaltungskosten entsprechend umstrukturieren und natürlich auch mit seiner Kasse wegen eines
günstigeren Tarifes sprechen, ansonsten geht da nix.
Ausnahme: Der Statt hilft (Sozialhilfe, ALG II)
Gruß
Czauderna

Re: Nicht Krankenversichert ! Und jetzt?

Manfred @, (vor 6065 Tagen) @ Antje Hunter

Wer kennt Leute, denen es ähnlich geht wie mir?
Ich bin seit 12 Jahren nicht mehr krankenversichert. Ich war in der Wendezeit als Arbeitnehmer in der Materialwirtschaft eines DDR- Betriebes tätig. Aus Angst im Alter non 54 Jahren dauerhaft arbeitslos zu werden, machte ich mich kurzerhand selbstständig. Und das 3 Monate vor der Wiedervereinigung. Die alte DDR- krankenversicherung SVK begann sich abzuwickeln und ich ließ mich überzeugen in eine westdeutsche Krankenversicherung zu wechseln, eine PKV, wie ich viel später bemerkte. Hier machte ich einen entscheidenden Fehler. Weil ich als gelernter DDR- Bürger keine Ahnung von der Vielzahl der Krankenvesicherungen hatte und den Unterschied zwischen GKV und PKV nicht kannte, merkte ich nicht, dass es ein Gesetz in der für uns neuen Bundesrepublik gibt,wonach ich, wenn ich das 55. Lebensjahr vollendet habe nicht mehr von einer PKV in eine GKV wechseln darf.Sieben fette Jahre ging das relativ gut. Dann folgten sieben ganz magere Jahre und ich flog aus der PKV raus, ohne Chance je wieder reinzukommen. Seit etwa zwei Jahren wirkt das Gesetz, dass jeder Nicht- Versicherte
von der GKV oder PKV wieder aufgenommen werden muss aus der er rausgeflogen ist. Bis Jahresende hätte ich per Gesetz versichert sein müssen. Ich bin es aber dennoch nicht,weil meine PKV vor dem Verfassungsgericht gegen den Basistarif klagt und weil zum anderen die Bedingungen für mich unannehmbar sind. Weil ich 60% meiner Rente als Beitrag nicht aufbringen kann, darf ich den Beitrag halbieren lassen, aber nur, wenn ich einen Sozialhilfeantrag stelle. Dort darf ich aber nur die Ausgaben aufführen, die zur Grundsicherung im Alter angerechnet werden In die GKV darf ich nicht und die PKV wirft nicht nur mich, sondern meine ganze Familie in den Abgrund, obwohl sie alle samt gesetzlich versichert sind. Weil ich in dem gesetzlichen Wirrwarr 9 Monate bis zur Vollendung des 55. Lebensjahres meinen Fehler nicht bemerkt hatte, und weil ich keinen Tag arbeitslos war, weil ich ganze drei Tage in fast 20 Jahren krank war und nie, trotz großer finanzieller Probleme, Transferleistungen beantragen musste soll ich jetz per Gesetz in die Staatlich Abhängigkeit gestoßen werden? Ich werde dagegen kämpfen, wenn es sein muss bis zum Bundesverfassungsgericht gehen. Ich habe 12 Jahre über dem Soziallen Netz geschwebt und bin nie hineingefallen. Jetz lasse ich mich nicht mehr hineinschubsen.

Re: Nicht Krankenversichert ! Und jetzt?

Czauderna, (vor 6065 Tagen) @ Manfred

Hallo,
da werden Sie aber auf Granit beissen.
- Ihr Pflicht zur Versicherung gilt ab 01.01.2009 (PKV-Basis-Tarif), daran führt kein Weg vorbei.
Wenn Sie der Meinung sind die Gesetze würden für Sie nicht gelten
weil Sie 12 Jahre erfolgreich ohne Krankenversicherung auskamen
(Herzlichen Glückwunsch dazu ) da muessen Sie allerdings den
Rechtsweg beschreiten leider erfolglos.
Gruß
Czauderna

Re: Nicht Krankenversichert ! Und jetzt?

Joachim Röhl ⌂, Berlin 0172-3079777, (vor 6064 Tagen) @ Czauderna

Das Wort zum Mittwoch. Einer meiner jetzt zwangsweise versicherten Selbstständigen mußte heute zum Jobcenter in Wismar (MVP), da ihm viele Jahre die Haftpflichtversicherung für seinen Transporter unabdingbar schien, aber eine jetzt greifende Krankenversicherung das eng bemessene Budget einfach sprengte. Antragsabgabe und Wartezeit vier Wochen, da in den ersten Wochen des neuen Jahres schon über 3000 (dreitausend) Neuanträge aufgelaufen sind.
Besser in Berlin, da sind laut Hauptstadtmedien schon 25% in HIV http://www.bz-berlin.de/BZ/berlin/2009/01/13/berlin-die-hartz-4-hauptstadt/jeder-vierte-bekommt-arbeitslosengeld-2.html und man hat sich damit offensichtlich eingereichtet, denn bei den Freunden in Obamas Wunderland http://de.wikipedia.org/wiki/Gesundheitssystem_der_Vereinigten_Staaten können ganze 44 Millionen Menschen von einer Krankenversicherung nur träumen. http://www.versicherung-insider.de/blog-pkv/2007/02/26/usa-krankenhauser-werfen-nicht-versicherte-menschen-raus/
Wenn Krankenkassenschulden zusammen mit Forderungen bei Jugendamt oder Finanzamt auflaufen bleibt vielen nur stille Scham, Strick oder Schiene und die Kräftigsten finden wie auch immer wieder raus oder gehen gleich ab ins Ausland in ein neues Leben, auch hierzulande.

Re: Nicht Krankenversichert ! Und jetzt?

Czauderna, (vor 6064 Tagen) @ Joachim Röhl

Hallo,
was soll mir das Wort zum Mittwoch nun sagen.
Liege ich mit meiner Antwort falsch oder stimmen Sie mir zu?

Sicher ist dieser Zustand nicht befriedigend und zeugt auch von einer falschen Sozialpolitik, aber es fällt auch in meiner
Praxis immer wieder auf das gerade der Kreis der Selbständigen (Kleinunternehmer oder 1-Mann-Betriebe und Ich-AG`S) mit einer gesunden Portion Naivität ihre Tätigkeit
beginnen. Dabei lassen si sich entweder unzureichend, von falschen Leutern oder gar nicht beraten.
Wenn dann gespart werden muss sind des meistens solche "Kleinigkeiten" wie Krankenversicherung/Pflegeversicherung oder die Altersvorsorge.
Wenn es dann schief geht ist das "Gejammer" um so grösser.
Sicher, die meisten kalkulieren realistisch, aber um die geht es in solchen Foren ja oftmals nicht.
Das war mein Wort zum Mittwoch.
Gruß
Czauderna

Re: Nicht Krankenversichert ! Und jetzt?

Joachim Röhl ⌂, Berlin 0172-3079777, (vor 6064 Tagen) @ Czauderna

Ja - wobei wir beide doch hinter dem Beratungstresen sitzen und uns durchaus nicht beschweren können. "Was geht mich fremdes Leid an" ist aber nicht angesagt und deshalb versuchen wir mit fachlichen Informationen und auch Hinweisen den Weg zumindestens durch den Dschungel von PKV bzw. SGBV etwas freier zu machen.

Re: Nicht Krankenversichert ! Und jetzt?

Manfred @, (vor 6064 Tagen) @ Czauderna

Hallo Herr Czauderna, Herr Röhl,
Ich weiß selbst, dass es schwierig ist, Gesetze zu machen, die alle gleichermaßen zufrieden stellen. Ich habe auch Respekt vor der Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, die von allen Seiten nur Dresche bezieht. Ich finde auch gute Seiten an den gesetzlichen Regelungen und der Versicherungs-pflicht für alle, ob jetzt PKV oder GKV. Aber wer der PKV zuzuordnen ist und den Beitrag nur maximal halbiert bezahlen kann, der sollte eine Bescheinigung vom Sozialamt für seinen Wiederaufnahmantrag in der PKV bekommen und keinen Sozialhilfeantrag und Antrag auf Grundsicherung im Alter stellen müssen. Für Leute, die sich nicht selbst helfen können, vielleicht auch noch krank sind, ist das sicher eine Lösung. Wenn man wie meine Frau und ich keine Sozialhilfe brauchen, um einen Beitrag für meine PKV unter 300€ bezahlen zu können, dann sollte man uns alte Leute mit solchen Anträgen verschonen. Wenn meine Frau von ihrer Rente von 594,-€ noch 200,-€ monatlich laut SGB XII zu meiner Versicherung dazuzahlen muss und nichts weglegen kann für Zuzahlungen zu ihren Zahnersatz. Dann ist was falsch im Gesetz. Der neu geschaffene Risiko-strukturausgleich kostet dem Staat eine Menge Geld. Aber warum soll ich dafür Sozialhilfe beantragen? Ich möchte meinen Beitrag von meinetwegen 300€ in das Solidarsystem der GKV bezahlen, dort wo es meiner Meinung nach auch hingehört. Ich kann mich zu den glücklichen Menschen bisher rechnen, noch gesund zu sein. Durch die Gesetzeslage, so wie sie ist, hat der Staat an meinen Beiträgen mindestens 10.000€ verloren. (Eigenanteil + Rentenkassenanteil). Nur weniger als 2.000€ hätten sie für meine Gesunderhaltung zurückzahlen müssen. Mit der gesetzlichen Pflicht, zurück in die private KV ist der Staat bereit jährlich mehr als 4.000€ nur für mich in den Risikostrukturausgleich zu zahlen. Ist das nicht ein Thema fürs Bundesverfassungsgericht?

Re: Nicht Krankenversichert ! Und jetzt?

Bodi, (vor 6064 Tagen) @ Manfred

Die Halbierung der PKV-Prämie bei Bedürftigkeit wird letztlich von den übrigen PKV-Versicherten mitfinanziert; Der Staat zahlt also grundsätzlich nicht in den Risikostrukturausgleich der privaten KV ein.
Allerdings: Falls nach Halbierung der Prämie immer noch Bedürftigkeit besteht, springt insoweit der Staat ein.

Aufgrund der Erfahrung, dass vor allem "kostenintensive" Menschen (d.h. Alte und Kranke) von der PKV in die GKV zurückkehren (wenn man sie ließe) hat der Gesetzgeber den Rückweg in die GKV ab dem 55 :Lebensjahr stark eingeschränkt.

Re: Nicht Krankenversichert ! Und jetzt?

Joachim Röhl ⌂, Berlin 0172-3079777, (vor 6064 Tagen) @ Manfred

Hallo Manfred, im http://www.bmg.bund.de/ sitzen wirklich kompetente Leute, die genau wissen was sie entsprechend der politischen Linie umsetzen müssen. Alle Kostenszenarien sind deutsch gründlich perfekt durchgerechnet. SVK und "zum Wohle des Menschen" war einmal und die Menschen sind dieser anderen deutschen politischen Linie mehrheitlich weggerannt oder blind im Einheitstaumel untergetaucht. Mitgehangen - mitgefangen sagte meine Oma und wenns hilft, es gibt ja den Abgeordneten des Vertrauens im Wahlkreis oder auch das freundliche Bürgertelefon unter der 01805-99 6601 für 14ct aus dem deutschen Festnetz. Aus die Maus ohne Zynik.

Re: Nicht Krankenversichert ! Und jetzt?

Manfred @, (vor 6063 Tagen) @ Joachim Röhl

Hallo Joachim, jetzt haben Sie aber richtig an der Achillisvese erwischt. Was Sie hier schreiben, ist ja nicht falsch. Ich bin mir sicher, dass es vielen geholfen hat. Ich kenne auch Abgeordnete des Vertrauens. Und Sie werden es nicht glauben. Ich selbst werde von Bürgern unserer Kleinstadt so ähnlich bezeichnet. Seit nun fast 20 Jahren bin ich in ununterbrochener Folge als Kommunalpolitiker im Stadtrat. Es geht mir runter wie Öl, wenn man mich oftmals auf meinem Spaziergang mit meinem Hund anspricht und sich bedankt für Dinge, die ich maßgeblich mitgestalten durfte. Zum Wohle der Stadt und seiner Bürger. Sie erkennen aber auch an, dass ich das in mich gesetzte Vertrauen oft entteuschen muss, weil die Gesetze meißt keinen Ermessensspielraum zulassen. Aber glauben Sie mir: Einzelschicksale sind mir schon wichtig. Ein ähnlicher Fall wie der meinige hat mich besonders berührt. Eine junge Familie mit Kind und Oma, Besitzer eines zu DDR- Zeiten gebauten Eigenheimes standen kurz vor der Zwangsversteigerung. Zum einen waren sie beide arbeitslos aber was der Hauptgrund war, sie waren in den Wirren der Wendezeit nicht in den Genuss des Gesetzes der Modrow- Regierung gekommen, wonach die Eigenheimbesitzer ihren dazugehörigen Grund und Boden sehr günstig erwerben konnten. Weil die beschriebene Familie nicht auf staatseigenen sondern auf genossenschaftlichen Boden gebaut hatten, durften sie erst später kaufen. Nun aber zum drei mal höheren Preis. Denn jetzt galt bundesdeutsches Recht. Obwohl sie schon mehr als die anderen gezahlt hatten, fehlte ihnen das Geld zur Weiterbezahlung des gesetzlich vorgeschriebenen höheren Preises. Zusammen mit unserer jungen Bürgermeisterin ist es endlich gelungen, ohne Gesetze zu verletzen die Zwangsversteigerung zu verhindern. Bitte entschuldigen Sie die Abschweifung und zurück zu meinen Fall und die Formulierung deutsch, gründlich, perfekt durchgerechnet: Das Gesetz, welches mir zum Verhängnis wurde, mit 55 Jahren nicht wieder zurück zu können in die GKV war zum Schutz der Sozialsysteme gemacht, gegen die Leute, die sich in jungen Jahren, weils billiger war privat versicherten und dann wenns teurer wird, die gesetzliche vorzogen. Bei mir war es gerade umgekehrt. Falscher Ehrgeiz und Naivität und der Wunsch, nur nicht arbeislos werden und dem Staat zur Last fallen. Das waren meine Triebkräfte.Was ich kritisiere ist dass es bei allen Gesetzen keine Möglichkeit einer Einzelfallprüfung gibt. Das gerade hatte ich in einem Brief an die Ministerin Ulla Schmidt auch kritisch angesprochen aber darauf keine Reaktion auf dieses Thema erhalten.. Ich wollte eigentlich nicht aus dem Nähkästchen plaudern, aber ich bin jetzt so in das Thema eingetaucht dass ich Gefahr laufe darin zu ersaufen. Die gesetzliche Regelung zur Versicherungspflicht wird von mir als gut und richtig empfunden, aber eben mit einschränkungen. Vielleicht bin ich ein Enzelfall, aber mir bringt der Zwang in die PKV den Verlust meiner Selbstbestimmung und tastet meine Menschenwürde an.
Weil mir 1997 ein Umlaufmittelkredit von meiner damaligen Hausbank gestrichen worden war, brach von heute auf morgen mein komplettes Abrechnungssystem zusammen. Sämtliche monatlichen Abbuchungen brachen weg. Ware gab es nur noch gegen Bares. Steuern und Versicherungen wurden nicht mehr abgebucht. Wegen Nichtzahlung der Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung wurde ein Ermittlungsverfahren beantragt und ein vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt. Mangels Masse wurde das Insolvenzverfahren nicht eröffnet und das Ermittlungsverfahren zu Lasten der Staatskasse eingestellt. "Mit gegangen mit gehangen" Nun standen wir da, meine Frau und ich. vor dem Scherbenhaufen eines einst rentablen Kleinunternehmens. Der Einsatz allen Vermögens, der Bausparverträge und Lebensversicherung und eine Latte Einträge im Grundbuch standen zur Bewältigung des Schuldenberges zur Verfügung. Was hätten wir tun sollen? Privatinsolvenz ? Wir haben den schwereren Weg gewählt. Über außergerichtliche Vergleiche, Abgeltung durch Arbeitsleistungen sowie andere geeignete Maßnahmen sind wir heute fast schuldenfrei. Wir haben unser Grundstück retten können. Den letzten Zwangs- Eintrag im Grundbuch haben wir vor zwei Monaten feierlich gelöscht. Aus eigener Kraft, ohne einen Sozialhilfeantrag und der zusätzlich auferlegten disziplinierten Abführung des monatlichen Eigenanteiles für eine etwaige GKV auf ein für fremde Zugriffe gesichertes Konto, das hat uns wieder zu fast normalen Menschen gemacht. Ich kann keine Sozialhilfe beantragen, weil ich Ausgaben, zur Begleichung unserer Restschulden nicht anerkannt bekomme. Wenn ich hiermit aber zwei Monate mit den vereinbarten Raten in Rückstand gerate, dann müssen wir unser Haus verkaufen. So hart sind die vereinbarten Vergleichsbedingungen. Sie hören von mir.

Re: Nicht Krankenversichert ! Und jetzt?

Joachim Röhl ⌂, Berlin 0172-3079777, (vor 6063 Tagen) @ Manfred

Ich habe aber dennoch kein Mitleid mit Ihnen, weil ich es einfach grundfalsch finde sich als seinerzeitiger DDR-Bürger immer auf die wirtschaftliche, politische oder auch soziale Unkenntnis zu berufen. Somit wird dem Altbundesbürger noch der Eindruck vermittelt, daß im Osten wohl alle auf der Wurstsuppe geschwommen sein müßten. Manfred, es gab in der DDR wenn auch in wesentlich geringerer Zahl dennoch Steuerberater und Freie Rechtsanwälte und wer denen nicht glauben wollte aber auch nicht im Schwarzen Kanal mit geschwommen ist für fast 97% des Landes den freien und unlimitierten Zugang zu westlichen Medien wie ARD und ZDF um sich rundherum und allseitig zu informieren. Viele sind heute sogar der Auffassung, daß Karl-Eduard zumindestens mit seinen Informationen über die sozialen Verhältnisse in der Bundesrepublik gar nicht so falsch gelegen hat.

Der Selbstständige Ost hatte den pauschalen Sozialversicherunghöchstbeitrag von vierteljährlich 376,20 Mark zu zahlen und genoß kombiniert mit einer Freiwilligen Zusatzrente (FZR) somit ein Rundumabsicherung.
Es gab über die Staatliche Versicherung sogar einen Tarif Krankentagegeld für den Selbstständigen mit Leistungsbeginn ab 1.Tag. Und in 1990 griff noch das SVG und gemäß dessen §20 konnte sich der Selbstständige Ost sogar von der Versicherungspflicht in der BfA komplett und zeitlebens befreien lassen. Er ist auch heute noch für die Aufbringung von Beiträgen in dieser Pflichtversicherung auch in jeder! Angestelltentätigkeit wie geschrieben zeitlebens befreit. Ein eindeutiger Vorteil, denn er konnte Private Rentenversicherungen abschließen und nach nunmehr fast 20 Jahren Einzahlung einen ausreichenden Ertrag erwirtschaften. Die Mähr vom "OssiüberdenTischziehen" ist größtenteils ebenso falsch, denn die meisten Privaten Versicherer akzeptierten mit Geschäftsbeginn am 2.Juli 1990 nur einen Höchstbeitrag von monatlich maximal 50 DM. Wenn einer mehr einzahlen konnte / wollte, so hatte er als Zeichen seiner Bonität / Wirtschaftskraft einen Jahresbeitrag im voraus zu begleichen.

So war die Geschichte und mit Geschäftsbeginn der PKV in den Neuen Ländern am 01.01.1991 waren die seinerzeitigen DDR-Bürger alle noch über die Sozialversicherung (SVK) versichert, viele Selbstständige sogar seit Einführung der DM auch ganz ohne Beiträge gezahlt zu haben.
Die Berliner AOK verlangte mir persönlich in 1991 ganze 160,00 DM ab, die PKV im M-Topschutz kostete mich seinerzeit 288,20 DM. AOK heute 630€ und 360€ die PKV, der ich vertraue.

Wo liegt da das Problem? Ich sage es Dir, es ist offensichtlich einfach Uninformiertsein von damals bis heute und das war in der DDR vielleicht nur mit einigen Nachteilen behaftet, heute ist es lebensnotwendig auf Kennung zu sein und den Arzt, den Anwalt, den Steuerberater aber auch den Versicherungsverteter des Vertrauens zu besitzen. Freue mich auf Deine Antwort und wünsche wie auch immer viel Gesundheit und Schaffenskraft.

Re: Nicht Krankenversichert ! Und jetzt?

Manfred @, (vor 6063 Tagen) @ Joachim Röhl

Hallo Joachim, ich bin wieder dran. Wo, an welcher Stelle habe ich die alte DDR verherrlicht? und wo habe ich um Mitleid gebeten? Ich stelle auch keine Vergleiche zu früher in diesem Zusammenhang an. Ich möchte eigentlich nur Gesetze, die einen Ermessensspielaum oder eine Einzelfallprüfung zulassen. Nicht nur die eine Seite der Privatversicherten und die andere Seite der Gesetzlichen gibt es zu vertreten In der Wendezeit ist eine Grauzone entstanden worin sich Menschen befinden, die mit einem Schwarz/weis Gesetz nicht erfasst sind. Ich habe leider keine Zeit heute.
Bis später, Manfred,

Re: Nicht Krankenversichert ! Und jetzt?

Joachim Röhl ⌂, Berlin 0172-3079777, (vor 6063 Tagen) @ Manfred

Hallo Manfred, einig sind wir uns sicher beide, daß nur wer in der DDR gelebt hat, dieses Land mit seinen guten und schlechten Seiten aufrichtig beurteilen kann. Das die soziale Absicherung überdimensioniert war, werden weder Mitglieder der SED noch Nichtgenossen im nachhinein bestreiten.
Der Wille des Volkes hat sich aber und wie auch immer am 18.3.1990 mehrheitlich für die Kohlsche Allianz der CDU und somit einen extrem beschleunigten Beitritt zu Grundgesetz und Wirtschafts- Währungs- und Sozialunion ausgesprochen. Katzenjammer hinterher natürlich inklusive. http://www.wahlrecht.de/ergebnisse/volkskammerwahl-1990.htm Dein geplanten Aufstand gegen die Ullasche Gesundheitsreform und für Soziale Gerechtigkeit bei wohlwollender Beachtung von Einzelschicksalen errinnert mich leider an den Kampf Don Quichotes gegen die Windmühlen. Friß oder stirb heißts für die Mitreisenden in diesem Zug und wer das nicht möchte, kann ja gern weltweit sein neues Glück versuchen. Die Deutschen haben noch nie aufgemurrt und sind im europäischen Rahmen bekannt als revolutionsunfähige Nörgler. Eine Demonstration vor Merkels Sitz und Reichstag würde ausfallen, weil an den Wiesen davor Schilder stehen mit der Aufschrift "Rasen betreten verboten" So ist das.

Re: Nicht Krankenversichert ! Und jetzt?

Manfred @, (vor 6063 Tagen) @ Joachim Röhl

Hallo Joachim,
ich glaube, wir schwimmen nicht auf der gleichen Welle. Ich habe mich vielleicht auch nicht deutlich genug zu meinem Grundproblem ausgedrückt. Die DDR ist für mich Geschichte auch wenn sich meine Lebensbiografie zu 2/3 und meine Arbeitsbiografie zu 3/4 in der DDR abgespielt hat. Ich will aufgrund meines damaligen Arbeitseinkommens (ab 1990) und jetzt meiner Rente zurück in die GKV. Das mit Don Quichot mag in gewisser Hinsicht zutreffen. Aber ich bin einerseits ein Rebell, auf der anderen Seite habe ich aber viel Geduld. Ich bin anderen gegenüber etwas im Vorteil. Wenn mein jetziger Deal gelingt, den ich mit einer GKV zur Zeit vorbereite dann bräuchte ich keinen Sozialhilfeantrag ausfüllen, und ich wäre gesundheitlich bis an mein Lebensende abgesichert, ohne gegen gesetzliche Normen verstoßen zu haben. Mehr erst mal nicht verraten.
Ach so, das mit ZDF und ARD. Ja, wenn mit ARD gemeint ist: Außer Raum Dresden, dann gehöre ich zu den drei Prozent der Unwissenden.
Ich hatte heute Mittag den Disput aus Zeitgründen abgebrochen. Ich hatte Termin beim Anwald, nein nicht beim Sozialanwalt, sondern beim Patentanwalt. Du siehst, ich stehe noch mitten im Leben mit meinen 73 Jahren. War nett, mal mit anderen Menschen Meinungen auszutauschen. Ich melde mich sicherlich bald mal wieder.
Manfred

Re: Nicht Krankenversichert ! Und jetzt?

Joachim Röhl ⌂, Berlin 0172-3079777, (vor 6063 Tagen) @ Manfred

Erzähl doch ruhig ein bischen, damit wird dann Dein Sachverhalt auch für andere betroffene Mitleser hilfreich und die Spezialisten werden noch pfiffiger...

Re: Nicht Krankenversichert ! Und jetzt?

Tobi, (vor 5626 Tagen) @ Nicole

Hallo Nicole,
du hast die Möglichkeit dich im EU Ausland zu versichern. Schau dazu auf die Seite [Link entfernt, bitte keine Werbung!]. So sparst du dir auch Beitragsnachzahlungen und musst keine Gesundheitsfragen beantworten. Diese Auslandskrankenversicherungen sind auch sehr viel günstiger.

Re: Nicht Krankenversichert ! Und jetzt?

Honey62, (vor 5574 Tagen) @ Tobi

gibt es vielleicht noch irgendwelche Tips bezüglich dieser Auslandskrankenversicherungen? Ohne Link ist das praktisch leider nicht nachvollziehbar.

Danke!

Re: Nicht Krankenversichert ! Und jetzt?

Joachim Röhl ⌂, Berlin 0172-3079777, (vor 5574 Tagen) @ Honey62

Wer jetzt nicht versichert ist, war es auch schon vor dem 01.01.2009 nicht, denn danach gab es ohne schriftlichen Nachweis einer Anschlußversicherung einen "Versicherungsausstieg" definitiv nicht, egal ob nun in gesetzlicher oder privater Welt ..

Halt, wer natürlich seinem Versicherer glaubhaft nachweisen konnte, daß er ab jener Neujahrsnacht seinen gewöhnlichen Aufenthalt oder sogar ständigen Wohnsitz ins Ausland verlegen würde, war und ist raus aus der Pflicht zur Versicherung. Zumindestens solange, bis er sich wieder bei dieser meldet oder von einem Dritten nach erfolgter Prüfung auch zwangsweise angemeldet wird, was meist mit erheblichen Strafzahlungen verbunden ist, falls die Anmeldung verspätet erfolgt. Und wer nicht kann, dem hilft wie wir wissen das Jobcenter, so er denn bedürftig ist.

Gibts keine legalen Alternativen zu dieser Versicherungspflicht? Ja, wie oben beschrieben oder zumindestens durch Zahlung eines Anwartschaftsbeitrages in der GKV für knappe 43€ und in der PKV für durchschnittliche 20% des letzten Zahlbeitrages bei reellen Auslandsaufenthalten. Die gelöschten Verweise auf ausländische Versicherer führen dagegen in die Bredouille, denn in Deutschland gilt die Pflicht nur erfüllt mit Schutz bei einem inländischen! Unternehmen und preiswerte Auslandsreiseversicherungen für Langzeitaufenhalte werden schon ab 24€ monatlich von z.B. der central angeboten, doppelt so teurer dann beim werbeträchtigen adac.

Die Zahl der weiterhin Nichtversicherten ist trotzdessen auf geschätzte 300.000 Personen bundesweit angewachsen, zumal auch der Zustrom von versicherungsunwilligen Mitbürgern aus östlichen EU-Ländern anhält und ab nächstem Jahr sogar noch inflationieren wird, wenn die Beschäftigungsbeschränkungen komplett fallen.

Wer allerdings als ehemals gesetzlich Versicherter bis heute nicht versichert ist, findet insbesondere als Selbständiger mit der hanse-merkur eine weitgehend unbekannte Ventillösung. Denn in Hamburg versichert man unter der Bedingung Vorlage eines aktuellen ärztlichen Attestes auch Langzeit-Nichtversicherte. Strafzahlungen werden dabei definitiv nicht erhoben, weil man die Eintreibung den Kollegen vom SGB V überläßt und damit sogar die aktuelle Gesetzeslage nicht bricht. Kostet einen 48jährigen Selbständigen dann 230€ monatlich,für eine gleichaltrige Freiberuflerin wärens 317€.

Fragen? joachimroehl@web.de

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